Flexible Pensionierung gefragt

Im Jahr 2016 gingen 58% der PK-Versicherten vor dem ordentlichen Rentenalter in Pension. Weiter sinkende Umwandlungssätze und eine mögliche Erhöhung des ordentlichen Rentenalters fördern den Trend zum flexiblen Ausstieg aus dem Berufsleben.

Die BVG-Reform von 2010 bietet älteren Arbeitnehmenden verschiedene Möglichkeiten, den Ausstieg aus dem Erwerbsleben flexibel zu planen. Denn nicht immer ist eine 100%ige  Arbeitsaufgabe mit Erreichen des ordentlichen Rentenalters für Arbeitnehmer und Arbeitgeber die beste Lösung. Für die versicherte Person bedeutet die Pensionierung oft eine komplett neue Gestaltung ihrer Tagesabläufe. Das kann zu Spannungen in der Familie führen, die  den Start in eine sorgenfreie Pensionierung trüben. Es kann aber auch fürs Unternehmen problematisch sein, wenn der Wissenstransfer schlecht oder zu spät geplant wurde. Neue Möglichkeiten helfen, diese Herausforderungen zu lösen.

Pensum reduzieren
Ein teilweiser Ausstieg aus dem Berufsleben kann auf zwei Arten geschehen: Wird das Arbeitspensum reduziert, hat das eine Auswirkung auf Arbeitszeit und Lohneinkommen des Versicherten. Bei diesem Szenario werden keine Altersleistungen aus der Pensionskasse (Rente/Kapitalbezug) ausbezahlt. Die Pensionskassenbeiträge von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, berechnet auf dem reduzierten Lohn, werden weiterhin einbezahlt. Zusätzlich wird das gesamte Vorsorgevermögen verzinst. 

Dabei hat der Versicherte die Möglichkeit, seinen 100%ig versicherten Lohn vor Reduktion des Arbeitspensums weiter zu versichern. Das Pensum darf jedoch höchstens um die Hälfte gesenkt werden, und die Weiterversicherung ist maximal bis zum Erreichen des ordentlichen reglementarischen Rentenalters erlaubt. Offen bleibt, ob die Sparbeiträge vom Versicherten zu tragen sind, oder ob sich der Arbeitgeber freiwillig daran beteiligt. 

Je nach Ausgestaltung kann der ältere Mitarbeiter stufenweise in die Pension begleitet und gleichzeitig sein Nachfolger aufgebaut werden. Das gereicht auch dem Arbeitgeber zum Vorteil: Er kann bis zu 50% der Lohnkosten beim abtretenden Mitarbeiter einsparen, die teils zur Entlohnung des Nachfolgers verwendet werden können. Bei einer Mitfinanzierung der Arbeitgeberbeiträge auf dem fiktiven Lohn sind diese Aufwendung ein Bruchteil des eingesparten Lohnes. Zukunftsorientierte Unternehmer sollten alle diese Möglichkeiten bei einer nahenden Pensionierung einer Fachkraft in Betracht ziehen und mit allen Beteiligten rechtzeitig besprechen.

Länger arbeiten
Die zweite Variante ist die Teilpensionierung. Sie hat zur Folge, dass bereits Altersleistungen aus der Pensionskasse ausbezahlt werden. Somit ist nur noch der gekürzte Lohn in der PK versichert. Die meisten Steuerämter als auch Reglemente lassen maximal drei Teilpensionierungsschritte von mindestens 20 oder 30% zu, wobei maximal zwei Kapitalbezüge zugelassen sind und der dritte Bezug in Form einer lebenslangen Rente zu erfolgen hat.

Vermehrt beklagen sich Arbeitgeber, dass sie keine gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte finden. Naheliegend wäre es, ältere Arbeitnehmer über das Pensionsalter hinaus zu beschäftigen. Seit der Umsetzung der BVG-Reform ist ab Erreichen des reglementarischen Rücktrittsalters (Männer 65 / Frauen 64 Jahre) eine Weiterversicherung des effektiven versicherten Lohnes bis zum Erreichen von Alter 70 (Männer) beziehungsweise 69 (Frauen) weiterhin möglich. Voraussetzung ist, dass die versicherte Person vor Erreichen des reglementarischen Pensionierungsalters bereits in diesem Vorsorgeplan versichert war.

Sofern die Möglichkeit zum Einkauf von Beitragsjahren besteht, sollte sie in einer umfassenden Pensionsplanung mitberücksichtigt werden. Steuerplanerisch können solche Einkaufslücken auch nach Erreichen des ordentlichen Pensionsalters genutzt werden. Ebenfalls können während dieser Zeit weiterhin Einzahlungen in die Säule 3a geleistet werden. 
Wichtig ist: Aus steuerrechtlicher Sicht müssen Einkäufe in die Pensionskasse vorausschauend und langfristig geplant werden, da ein Kapitalbezug aus der Vorsorgeeinrichtung erst drei Jahre nach dem letzten Einkauf möglich ist. Die Säule-3a-Beiträge können hingegen bis zur Aufgabe der Arbeitstätigkeit, längstens bis zum Erreichen von Alter 70 (Männer) bzw. 69 (Frauen) einbezahlt werden.

Szenarien erstellen
Eine Pensionierung, wie immer sie ausgestaltet wird, muss rechtzeitig geplant werden. Dabei helfen Szenarien.  Die Analyse der Daten, Szenarien mit den entsprechenden Massnahmen erstellen und planen benötigen Zeit und gute Beratung.  Erfolgreiche Berater arbeiten mit Netzwerkpartner aus Finanzplanung, Steuern und Recht zusammen. Spätestens mit 60, besser schon ab 55 sollte man sich mit der Pensionsplanung befassen. Verschiedene Arbeitgeber bereiten  Mitarbeitende in Seminaren auf diese neue Lebensphase vor.

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