Vorsorge und Nachfolge richtig regeln

Viele Inhaberinnen und Inhaber von Schweizer KMU sind im Nachfolgealter. Was bezüglich Einkommen, Altersvorsorge und Nachlass zu tun ist, damit die Übergabe an die nächste Generation oder der Verkauf der Firma klappt, zeigt dieser Beitrag.

Die Inhaberinnen und Inhaber von KMU haben neben der Führung ihres Betriebs eine weitere zentrale Aufgabe: Sie müssen ihr Einkommen und namentlich ihre Altersvorsorge und ihre Nachfolge sorgfältig planen. Vor allem Letzteres ist heute ziemlich anspruchsvoll. Der Grund dafür: Die als Babyboomer bezeichnete Generation hat in den Sechziger- und Siebzigerjahren von den Eltern Unternehmen übernommen oder selber gegründet. Seitdem hat sich deren Wert in vielen Fällen enorm gesteigert. Eine geordnete Nachfolgeregelung ist deshalb ein komplexes Projekt. Dies auch deshalb, weil aus demografischen Gründen in den kommenden Jahren eine geringere Anzahl potenzieller 35- bis 45-jähriger Nachfolgerinnen und Nachfolger nachrücken wird. Deshalb gilt mehr denn je: Die Nachfolge rechtzeitig anpacken und umfassend durchdenken, um das Unternehmen für Interessenten attraktiv zu machen, aber auch um selbst nicht zu kurz zu kommen.

Einen angemessenen Lohn beziehen
Bei KMU-Kapitalgesellschaften stellt sich für den Unternehmer stets die Frage nach dem Mix von Lohn und Dividende. Denn seit der 2009 in Kraft getretenen Unternehmenssteuerreform werden Dividenden auf Beteiligungen an Kapitalgesellschaften von mindestens zehn Prozent bei der Einkommenssteuer nur noch teilbesteuert. Und auf den ausbezahlten Dividenden müssen keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden. Die Dividendenzahlung einer Kapitalgesellschaft wird von der AHV-Behörde dann aber teilweise als massgebender und damit sozialabgabenpflichtiger Lohn betrachtet, wenn dem Ab-zehn-Prozent-Aktionär kein oder ein unangemessen tiefer Lohn ausgerichtet wird. Dies hat eine Aufrechnung des abgabepflichtigen Lohns bis zur Höhe eines angemessenen branchenüblichen Lohns zur Folge.

Wahl zwischen Lohn und Dividende
Die aktiv tätigen Haupt- oder Grossaktionäre von KMU-Kapitalgesellschaften können somit ab dem von der AHV verlangten angemessenen branchenüblichen Lohnniveau für sich selbst zwischen Lohn und Dividende entscheiden. In der folgenden Tabelle werden die Vor- und Nachteile der beiden Bezugsstrategien aufgezeigt. Jede Strategie sollte für eine Unternehmerin oder einen Unternehmer individuell analysiert und umgesetzt werden. Dabei gilt es, den Standortkanton der Familie und jenen des Unternehmens sowie die privat zu finanzierenden Leistungen zu berücksichtigen.

 LohnzahlungDividendenzahlung
Ziel des AktionärsWeniger liquide private Mittel zur Finanzierung der LebenshaltungskostenMehr liquide private Mittel zur Finanzierung der Lebenshaltungskosten, da weniger Steuern und Sozialversicherungsbeiträge.
Vorsorge im Rahmen der beruflichen VorsorgeAusgebaute Kadervorsorgelösung möglichAnschluss an Vorsorgelösung nicht möglich. Dividende kann für Einkäufe in die berufliche Vorsorge verwendet werden.
Steuerbelastung beim Unternehmer und Aktionär100% Einkommenssteuer. Geringerer Vermögenswert der Aktien, somit Reduktion der Vermögenssteuern.Privilegierte Einkommensbesteuerung. Erhöhter Vermögenswert der Aktien, somit erhöhte Vermögenssteuern.
Steuerbelastung bei der UnternehmungGeschäftlich begründeter Aufwand, geringerer Betriebsgewinn, Reduktion der Gewinnsteuer.Kein geschäftlich begründeter Aufwand, höherer Betriebsgewinn, höhere Gewinnsteuer.
SozialversicherungsabgabenZirka 15% Abgaben für AHV/IV/EO/ALV/FAK. Diese sind meistens nicht mehr rentenbildend.Keine Abgaben, sofern keine Umqualifizierung durch die AHV erfolgt.
Sicherung des Altersvermögens und RentenleistungenAufgrund der gesetzlichen Möglichkeiten im Rahmen der beruflichen Vorsorge sind ein Aufbau und eine Sicherung des Altersvermögens möglich.Nur im Rahmen der freien Säule 3b mittels Bankkonti, Bankdepots und Anlageversicherungen möglich. Allenfalls Einkauf in die Pensionskasse aufgrund des versicherten Basislohnes.

Mit Pensionskasse Geschäfts- in Privatvermögen umwandeln
Inhaberinnen und Inhaber einer KMU-Kapitalgesellschaft müssen obligatorisch entweder eine eigene Vorsorgeeinrichtung haben oder sich einer bestehenden Vorsorgeeinrichtung, Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtung anschliessen. Selbständige Unternehmerinnen und Unternehmer können das freiwillig tun. Bis zu einem Jahreslohn von derzeit 84'600 Franken kommen die Regeln der obligatorischen beruflichen Vorsorge zur Anwendung. Für die Lohnbestandteile darüber kann bis zu einem Jahreslohn von 846'000 Franken ein überobligatorischer Vorsorgeplan, auch bekannt als Kaderplan, gewählt werden. Mit solchen teilweise vom Unternehmen finanzierten Plänen wird Geschäftsvermögen über die daraus entstehenden Vorsorgeansprüche elegant in Privatvermögen umgewandelt. Kaderpläne dürfen allerdings nicht zu einseitig für den KMU-Geschäftsführer ausgestaltet werden. Die Steuerbehörde könnte das als versteckte Gewinnausschüttung auslegen. Deshalb sollte sie vor der Einführung des Kaderplans konsultiert werden.

Pensionskasseneinkäufe tätigen
Mit freiwilligen Einkäufen in die Pensionskasse können Vorsorgelücken geschlossen werden. Der Einzahlungsbetrag kann vom steuerpflichtigen Einkommen vollständig abgezogen werden. Die maximale Höhe des möglichen Einkaufsbetrags, findet man meist auf dem jährlichen Vorsorgeausweis. Falls ein Wohneigentumsvorbezug besteht, kann erst eingekauft werden, wenn alle Vorbezüge zurückbezahlt sind. Die Ausnahme: Wiedereinkäufe nach der Ehescheidung zur Herstellung der ursprünglichen Deckung sind unbegrenzt. Strenge Regel: Innert drei Jahren nach jedem steuerbegünstigten Einkauf kann nur die Rente bezogen werden. Wer in der Dreijahresfrist gleichwohl das Kapital beziehen will, muss die gesparten Steuern zurückzahlen.

Nachlass regeln
Nach wie vor haben viele KMU-Unternehmerinnen und -Unternehmer keine rechtlichen Regelungen im Falle ihres Ablebens getroffen. Dies kann für die Hinterbliebenen und das Unternehmen folgenschwere Auswirkungen haben. Mit einem Ehe- und Erbvertrag oder einem Testament, einem Vorsorgeauftrag und einer Generalvollmacht kann zu Lebzeiten die Verteilung der Vermögenswerte unter den Erben geregelt werden. Bei der Ausgestaltung dieser Dokumente sind allenfalls auch Aktionärsbindungsverträge zu konsultieren oder neu zu erstellen.

Wichtig: Leistungen aus der beruflichen Vorsorge und der steuerbegünstigten dritten Säule werden ausserhalb des Erbrechts aufgrund der gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen der Vorsorgeeinrichtungen verteilt. Namentlich bei Patchwork-Familien und Konkubinaten müssen deshalb diese Möglichkeiten genutzt werden.

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